111 Jahre Turnerbund Essen - Haarzopf 1903

Jubiläumsfahrt zum Industriedenkmal Zeche Zollern

 

Am 8. April trafen sich 50 Vereinsmitglieder an der Ev. Kirche in Essen - Haarzopf zur Busfahrt zur Zeche Zollern in Dortmund - Lütgendortmund.

 Unser 1. Vorsitzender Volker Grett ließ, da er verhindert war, durch mich viele Grüße an die Teilnehmer ausrichten und wünschte uns auf diesem Weg eine erlebnisreiche Fahrt. Der geschäftsführende Vorstand war durch unseren 2. Vorsitzenden Lars Schlüter,  unseren Geschäftsführer Wolfgang Krämer
und durch unsere Kassiererin Uta Albert vertreten.

 

Nach problemloser Fahrt erreichten wir unser Ziel und  warensogleich über den Blick durch das Eingangsportal erstaunt.
Dazu später mehr.

   “ Rabotti - Rabotti ” ---  “ Wirklich Sklavenarbeit  ” --- 
“ Am schlimmsten war der Lärm “ steht heute in Leuchtschrift am Leseband in der Kohlenwäsche der damaligen Zeche.
Ein Tonbandgerät gibt den Krach wieder, dem die Lehrlinge, Alte und teils Invaliden beim Auslesen der Steine ausgesetzt waren.
 
  

Den ganzen Arbeitstag lief das Band mit dem Kohle- Steingemisch an ihnen vorbei. Umgeben von Staubwolken, griffen sie mit bloßen Händen die Steinsbrocken und warfen sie hinter sich in die Loren.

 

Wir sind betroffen, obwohl wir das alles wissen. Wir waren Kinder des Ruhrgebietes, haben den aktiven Bergbau erlebt. Daher sind wir ganz besonders überrascht und beeindruckt, als wir auf Zeche Zollern eine Schachtanlage vorfinden, die einem ehemaligen prunkvollen Adelsschloss gleicht.

 

Freyas spontane Äußerung:

“  Wie eine Kathedrale! “

“ Wie die Backsteingotik in Norddeutschland “ , meint Uta.

    

“ Warum aber diese aufwändige Bauweise für eine Schachtanlage ? “, wollten wir wissen. “ Genau, das war die Idee : Ein Schloss der Arbeit. Der Architekt Paul Knobbe baute es im Auftrag der Gelsenkirchener Bergwerks AG. “, erfuhren wir weiter. “ Repräsentationswille und Machtdemonstration bestimmten die architektonische Bauweise, den sozialen Anspruch und die technische innovative Ausstattung. Wer hier arbeitete war stolz darauf.”

  

Unsere Führung durch das Museum beginnt in der Lohnhalle. Der Bau und die Ausschmückung erinnern an einen alten Bahnhof. Jede Woche erhielten die Bergleute hier ihr Lohntüte an einem Schalter.

Bei unserem weiteren Gang durch das Museum treffen wir auf einige Relikte des Bergbaus. Überall entdeckt jeder etwas , was er erklärt haben möchte. Unsere Führerin hat ihre bestimmten Punkte, über die sie Auskunft gibt, scheut aber keine Mühe auf unsere Fragen in aller Ruhe einzugehen, dass am Ende alle zufrieden und begeistert sind.

Ich möchte nur wenige Facetten aus dem Bergbau aufführen:

 
    

 - Der “ Kübelmajor” musste den Toilettenkübel aus
   dem Schacht
ans Tageslicht bringen und entsorgen.

    Immerhin gab es schon eine solche Toilette, Abort genannt.

 - Es gab auch eine kleine Krankenstation.
    Das Schlimmste war
der Steinstaub, der sich auf  die     Lungenbläschen legte, sodas die Bergleute alle unter einer  "Steinstaublunge" litten. Wir haben vielleicht alle das Bild des Bergmanns vor Augen, der leicht gebeugt, auf ein Kissen gestützt, am offenen Fenster  frischeLuft einatmet. Hatte er die Krankheit nicht überstanden,
war er nicht mehr am Fenster zu sehen.
Er war weg vom Fenster!

  

Anfangs brachte ein kleines  “Ölfunzelchen”
das Licht in den
Streb.

 

Der Fortschritt war eine 4 kg schwere Grubenrundleuchte,

bis dann die Kopflampe zum Einsatz kam.

 
    

Die Zeit als die Zeche Zollern gebaut wurde,
war auch die Zeit 
der Turnvereinsgründungen.

So auch unser Turnerbund.
Selbst für die Bergleute gab es die sportliche Ertüchtigung unter
Turnvater Jahns Motto:

                 frisch, fromm, fröhlich, frei!

   

Ein weiterer Höhepunkt ist die fast restaurierte Maschinenhalle. Sie  ist ein Juwel und hebt sich in ihrer Bauweise von der Backsteingotik ab. Der Berliner Architekt Bruno Möhring hat sie aus Glas geschaffen, welches in ein Eisengerüst eingesetzt wurde.

 

    
Wir bestaunen schmucke Fenster im Jugendstil an Fassaden und über dem Eingangsportal.
Solche Ausschmückungen waren für Industrieanlagen recht ungewöhnlich,
passte aber zu der Idee der Machtdemonstration.
  

Die Besichtigung des Verwaltungsgebäudes, das Hauptgebäude des Ehrenhofs,
schloss unsere Führung ab.
Hier hatten der Direktor und die Steiger ihre Büros und Empfangsräume.
Im Innern ziert ein Jugendstilgeländer den repräsentativen Aufgang.

 
 

“ Fünfzig Jahre wurde auf Zeche Zollern Kohle abgebaut.”, meint unsere Führerin,

 Im Zuge der Kohlekrise wurde 1955 die Kohleförderung eingestellt und  1960 die gesamte Anlage stillgelegt.
Ihren Abriss zum Zeitpunkt des Strukturwandels konnte der Landschaftsverband Westfalen - Lippe zum Glück verhindern. Zeche Zollern wurde
das 1.Industriedenkmal Deutschlands.

  
  Ein zünftiges Mittagessen im ehemaligen Pferdestall der Schachtanlage rundete unsere Veranstaltung ab. 
 

Nach dem Verlassen konnten wir aus dem Bus noch die Bergmannskolonie Landwehr sehen, die zur Zeche gehörte. Sie wurde nach Fertigstellen der Zeche auch von Architekt Paul Knobbe  1904  mit  einer Direktorenvilla, 8 Steiger - und  23 Arbeiterhäusern gebaut.

 

“ War eine gute Idee, hierher zu fahren!
Beeindruckende Anlage! Großartige Architektur!
Solch eine Zeche habe ich noch nie gesehen!
Wirklich ein Schloss der Arbeit!”                          
Manfred Weißer fasst zusammen:
” Eine tolle Veranstaltung.”

Dann zählt er doch auf:” Der Bus, der Busfahrer, die Zeche, die Führungen, das Essen, die Organisation, alles war gut! Danke !”

 

 

Ja, es hat alles gut geklappt. Der Zeitplan wurde eingehalten. Es gab keine Eile, alles lief ruhig ab. Die Resonanz eurerseits zeigt mir, dass es euch gefallen hat. Da hat sich mein Einsatz ja gelohnt.

Ich danke euch.

 

Glück auf!

Hella Hinsel